Donnerstag, 24. Dezember 2015

Ein turbulenter Heiligabend

Seit dem 6.Dezember, dem Tag an dem der Nikolaus den Schlitten mit Rentier geschickt hatte, grübelte Magnus nun schon, wie er den anderen erklären sollte das das Rentier nun hier bleiben würde. Irgendwie dachten alle, das Rentier sei nur eine Leihgabe. Aber sie hatten es alle in ihr Herz geschlossen und fütterten es gerne mit Rüben und anderen Leckereien.
Am Morgen des 24. Dez. hatte Magnus einen Plan. Er deckte den Frühstückstisch mit viel Sorgfalt , kochte Kaffee und weckte dann alle anderen. Hanna war schon sehr verwundert, denn Magnus deckte nie den Frühstückstisch, er war eher ein Langschläfer. Doch sie dachte sich, na erstmal das Frühstück genießen, dann wird er schon von selbst sagen was er ausheckt.. Hanna war da sehr pragmatisch veranlagt.
Als dann alle fast fertig mit dem Frühstück waren, räusperte Magnus sich. Und Hanna dachte nur: Na ich wusste es doch, jetzt kommt es.
Und schon sagte Magnus: Ich habe eine Überraschung für euch. Ihr alle kennt doch nun Emil das Rentier schon recht gut und habt ihn lieb gewonnen. Wäre es nicht schade wenn es zurück zum Nikolaus müsste? Alle nickten zustimmend. Tja, seht ihr, und nun die Überraschung. Der Nikolaus hatte einen Brief in den Schlitten gelegt in dem steht, das Emil bei uns bleiben soll für immer.  Da war der Jubel aber groß und die meiste Freude hatte wohl fussisch Julchen, denn Emil und sie hatten schon eine ganz besondere Freundschaft geschlossen. Sie durfte ihm bis ins Geweih klettern und dafür bekam er eine Extra Portion Rüben.
Als Magnus sich endlich wieder Gehör verschaffen konnte, rief er: Es gibt da nur ein Problem, Emil kann doch nicht immer in unserem Vorgarten wohnen. Wer hat da eine Idee?
Hmm, alles grübelte. Nur Hanna nippte verschmitzt an ihrem Kaffee. Nachdem sich niemand meldete und Magnus nun doch etwas verzweifelt nachfragte: Hat keiner eine Idee wo unser Emil wohnen kann? Da schlug Hannas Stunde.  Wie wäre es denn mit dem Vogelhäuschen der Großlinge?, fragte sie. Magnus schaute etwas verwirrt aus der Wäsche. Wie soll der arme Emil denn den Baum herauf und runter kommen? Da musste Hanna doch schallend lachen. Neiiin Magnus, ich meine jenes , das im Garten auf dem Boden steht, zwischen den Gartenzwergen. Das sieht zwar aus wie ein Zwergenhäuschen, ist aber als Vogelfutterstelle gedacht und die Vögel stehen da immer an wie an der Pommesbude.
Achsoo, das meinst du, fiel bei Magnus endlich der Groschen. Ja das müsste gehen
Na gut, dann werde ich gleich dort mal ein wenig sauber machen und unserer Vermieterin bescheid sagen, das wir es als Stall brauchen, sprach Hanna, trank den letzten Schluck Kaffee aus und ging aus dem Zimmer. Direkt kam Quentin hinter ihr her gerannt: warte ich komm mit, da kannst du sicher Hilfe brauchen, alte Blätter weg räumen und so.
Natürlich konnte ich nicht nein sagen und so wurde aus meinem Vogelhäuschen ein Rentierstall.
Ich versprach beim Nachbarn Heu und Stroh zu erbetteln,  lieh Hanna noch einen Eimer  und so bewaffnet machte sie sich mit Quentin auf den Weg, den Stall herzurichten.
Quentin sammelte als erstes das restliche Vogelfutter um das Häuschen herum ein. Er wollte es später dann zum anderen Vogelhaus bringen. So sollten die Vögel direkt merken das es hier nichts mehr gibt und Emil in Ruhe lassen. Hanna fing derweil an das Laub zusammen zu harken.

Da hörte sie ein leises : Haaa Haaa Haaa Hatschi .
Gesundheit Quentin. Du wirst dich doch nicht erkältet haben? fragte Hanna.
Quentin schaute etwas verdutzt: Wieso, ich hab doch nicht genießt, ich dachte du wärst es gewesen. Nun schauten beide ziemlich sparsam. Aber da hat doch jemand geniest.
Hanna sah sich um. Da schon wieder. Haaa Haaa Haaatschi. Hanna flüsterte zu Quentin:ich glaub das kommt aus dem Vogelhäuschen. Ob da etwa ein Spatz mit Erkältung drin sitzt?
Das werden wir nur erfahren wenn wir nachschauen, antwortete Quentin, hielt sich aber etwas zurück als Hanna sich nun tatsächlich ins Vogelhaus traute.
Nanu, was ist das denn? Hey Quentin komm gucken hier ist ein niesender Blätterhaufen, rief Hanna lachend. Nein, haaa , haa , haatschi, ich bin kein Laubhaufen, sprach der Laubhaufen, raschelte und wurde größer. Da, nun kamen zwei Ohren heraus und schließlich ein ganzer Kopf.
Darf ich mich vorstellen, haa, haa, hatschi. Mein Name ist Roland Reineweiß.
Angenehm Roland, ich bin Hanna Honig. Aber darf ich dich nun fragen was du hier im Vogelhäuschen machst?
Ach, seufzte Roland. Das ist schnell erzählt. Ich wohnte eigentlich nebenan in dem Haus. Da wo die Frau alleine wohnt. Die hatte einen sehr schönen Ofen mit einer großen Schublade unten drunter. Da sie diese Schublade aber nie benutzte, hatte ich mir dort eine Wohnung eingerichtet. Sehr praktisch war das. Im Winter beim Plätzchen backen hatte man es direkt warm ohne selbst heizen zu müssen und Plätzchenkrümel fielen auch genug ab.
Doch dann vor zwei Wochen, die Oma war gerade dabei wieder Plätzchen zu backen, da bekam sie einen Anruf  von einer Frau Bergmann. Die zwei haben so lange telefoniert, das sie die Plätzchen im Ofen vergessen hat.  Sie war wohl so vertieft in das Gespräch das sie gar nichts mit bekam. Schlussendlich stand der Ofen in Flammen und meine Wohnung war hinüber. Da die ganze Wohnung nun etwas verräuchert war, ist die alte Dame zu ihrer Tochter gezogen während die ganze Wohnung renoviert wird und ich bin nun wohnungslos.  Was blieb mir anderes übrig als mir ein vorübergehendes zu hause zu suchen. Und da bin ich über euer Häuschen hier gestolpert.

Zu essen habe ich noch ein paar letzte Tomätchen gefunden, aber da bei der Löschaktion alle meine Sachen hinüber waren, ist mir nichtmal etwas zum anziehen geblieben.  Deshalb trage ich nun ein Kleid aus Erdbeerblättern. Warm ist das allerdings nicht. Und so hab ich mir wohl einen Schnupfen geholt Haa Haa Hatschi.
Hanna hatte schon während der Erzählung von Roland den Kopf geschüttelt und mit Quentin vielsagende Blicke ausgetauscht. Nachdem Roland nun mit seiner Geschichte geendet hatte, sagte sie: Na da hat es dich ja genau zu den richtigen Leuten verschlagen mein lieber Roland. Jetzt kommst du erstmal mit rein und wirst aufgetaut. Und schon schoben Hanna und Quentin den etwas verdattert guckenden Roland vor sich her ins Haus.
Drinnen wurde er erstmal in eine Decke gewickelt die Lovis schnell geholt hatte, nachdem Hanna ihr erzählt hatte was los ist. Ilse hatte ihm schon ein Schnäpschen eingeflößt mit den Worten: Trink datt mal ruhig, Ein Körnchen hilft bei Erkältung immer.
Da kam auch schon Magnus um die Ecke und meinte: Lass den Korn mal bleiben. Hier hab ich ein wirklich gutes Rezept. Das wärmt auf und killt jede Erkältung.

Und reichte Roland einen Krug mit heißem Bier. Es schmeckt zwar scheußlich, aber es hilft, das weiß ich vom Uropa des Hauses.
Roland wärmte sich ersteinmal die Finger an dem Krug in der Hoffnung das es weniger eklig schmecken würde, wenn es etwas abgekühlt wäre. Aber wenn das schon ein Uropa als Geheimrezept hat, das muss es ja helfen, dachte er so bei sich.

Wärend Roland unter Todesverachtung nun das Gebräu herabwürgte, überlegten die andern schon einmal ob Roland nun dauerhaft bei ihnen wohnen sollte und Ilse nahm schon Maß für ein paar warmen Socken für den armen Jungen, wie sie sagte.
Plötzlich fiel Magnus etwas ein. Hanna, sag mal die Jacke die uns die Barbara geschickt hat, hast du die aufgehoben?
Natürlich hab ich das, rief Hanna aus der Küche, wo sie eine Hühnerbrühe kochte. Ihr Rezept gegen Erkältungen.  Warte, ich bring sie dir.
Tatsächlich die Jacke passte. Seht ihr, die Barbara weiß was sie tut, sagte Lovis. Ich weiß ja nicht woher, aber sie weiß es. 
Und so geschah es das am Heiligabend mittag für Roland schon Bescherung war. Er bekam ein neues zu hause, viele neue Freunde und eine Jacke die ihm wie angegossen passt.


Ich wünsche allen eine Frohe Weihnacht




Kommentare:

  1. Wunderschön! Vielen Dank, das hat mir den tag gerettet. Frohe Weihnachten dir und auch deinen Mitbewohnern

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich. Schön das ich dir eine Freude machen konnte.

      Löschen